Viele Unternehmer gründen eine GmbH und glauben damit alles richtig gemacht zu haben. Die GmbH ist der Anfang, nicht die Lösung.
Die GmbH hat in Deutschland einen fast mythischen Status unter Unternehmern. Sie gilt als Zeichen dass man es ernst meint, als Schutzschild gegen Haftung, als Eintrittskarte in die Welt der richtigen Unternehmer. Und ja, die GmbH ist ein hervorragendes Instrument. Aber sie ist eben nur ein Instrument. Und ein Instrument das falsch eingesetzt wird, hilft nicht.
Was ich in der Praxis immer wieder sehe: Unternehmer die eine GmbH haben, aber keine Struktur dahinter. Die Haftung ist begrenzt, gut. Aber steuerlich läuft alles genauso suboptimal wie vorher, nur mit mehr Verwaltungsaufwand. Das ist kein Fortschritt. Das ist eine teure Illusion von Fortschritt.
Was die GmbH wirklich leistet
Eine GmbH begrenzt die persönliche Haftung auf das Gesellschaftsvermögen. Das ist ihr wichtigstes Merkmal und in vielen Branchen absolut sinnvoll. Dazu kommt dass einbehaltene Gewinne in der GmbH mit rund 30 Prozent besteuert werden, deutlich weniger als beim Einzelunternehmer der bis zu 45 Prozent Einkommensteuer zahlt.
Aber dieser Steuervorteil greift nur wenn die Gewinne in der GmbH bleiben. Wer sie ausschüttet, zahlt zusätzlich 25 Prozent Kapitalertragsteuer. Wer als Gesellschafter-Geschäftsführer ein Gehalt bezieht, zahlt darauf wieder Einkommensteuer. Die GmbH alleine löst das Problem nicht. Sie verschiebt es nur.
Wann eine GmbH ohne Holding eine halbe Lösung ist
Stell dir vor du hast eine gut laufende GmbH mit einem Jahresgewinn von 300.000 Euro. Du brauchst davon 80.000 Euro zum Leben. Die restlichen 220.000 Euro willst du reinvestieren, in Immobilien, in andere Unternehmen, in Vermögensaufbau.
Ohne Holding läuft das so: Du schüttest die 220.000 Euro aus, zahlst 25 Prozent Kapitalertragsteuer, behältst 165.000 Euro und investierst damit. Du hast also 55.000 Euro ans Finanzamt gezahlt bevor du einen einzigen Euro investieren konntest.
Mit einer Holdingstruktur läuft das anders. Die operative GmbH schüttet an die Holding aus. Diese Ausschüttung ist zu 95 Prozent steuerfrei, das Schachtelprivileg nach §8b KStG macht es möglich. Die Holding behält fast die gesamten 220.000 Euro und investiert damit. Die Steuer fällt erst an wenn du das Geld privat entnimmst, also wenn du es wirklich brauchst.
Der Unterschied über zehn Jahre gerechnet ist erheblich. Kapital das nicht versteuert wurde arbeitet weiter. Kapital das bereits versteuert wurde nicht mehr.
Was eine Holdingstruktur konkret bedeutet
Eine Holdingstruktur besteht in der einfachsten Form aus zwei Gesellschaften. Oben die Holding-GmbH, die Anteile hält und Kapital sammelt. Unten die operative GmbH, die das Tagesgeschäft betreibt. Du als Unternehmer bist Gesellschafter der Holding, nicht direkt der operativen GmbH.
Die Vorteile dieser Struktur gehen über die steuerliche Seite hinaus. Gewinne können in der Holding geparkt und gezielt reinvestiert werden. Im Fall einer Insolvenz der operativen GmbH ist das Kapital in der Holding geschützt. Und wenn du irgendwann die operative GmbH verkaufst, kann dieser Verkauf unter bestimmten Voraussetzungen nahezu steuerfrei über die Holding abgewickelt werden.
Wann lohnt sich die Holdingstruktur
Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Aber als Faustregel gilt: Ab einem regelmäßigen Jahresgewinn von etwa 100.000 Euro lohnt es sich die Frage ernsthaft zu stellen. Wer dauerhaft mehr verdient als er zum Leben braucht und den Überschuss reinvestieren will, fährt mit einer Holdingstruktur in den meisten Fällen besser.
Wer hingegen seinen gesamten Gewinn privat benötigt, für den ist der steuerliche Vorteil der Holding geringer. Und wer gerade erst gegründet hat und noch keine stabilen Gewinne erzielt, sollte erst die operative Struktur zum Laufen bringen bevor er über eine Holding nachdenkt.
Was falsch gemacht wird und was es kostet
Der häufigste Fehler den ich sehe: Unternehmer gründen eine GmbH ohne einen Plan für das was danach kommt. Kein Konzept für Gehaltsstruktur, keine Überlegung zur Gewinnthesaurierung, keine Planung ob und wann eine Holding sinnvoll wird. Die GmbH läuft, aber sie läuft nicht optimal.
Ein weiterer Fehler: Die Holding wird zu spät gegründet. Wer eine erfolgreiche operative GmbH hat und nachträglich eine Holding drüber setzt, muss die Anteile einbringen. Das ist möglich, aber es gibt steuerliche Fallstricke die man kennen muss. Wer die Struktur von Anfang an richtig aufbaut, hat diese Probleme nicht.
Und dann gibt es noch den Klassiker: Die GmbH wird gegründet aber der Gesellschafter-Geschäftsführer zahlt sich kein oder ein viel zu niedriges Gehalt. Das klingt nach Sparsamkeit, ist es aber nicht. Ein angemessenes Gehalt ist steuerlich absetzbar für die GmbH und senkt damit den zu versteuernden Gewinn. Wer kein Gehalt zieht, verschenkt diesen Hebel.
Wie man es richtig macht
Der richtige Zeitpunkt für die Frage nach der optimalen Struktur ist immer jetzt. Nicht wenn die GmbH bereits läuft und die ersten Fehler gemacht sind. Nicht wenn die Steuererklärung schon eingereicht wurde. Jetzt, mit einem klaren Blick auf die aktuelle Situation und einem Plan für die nächsten Jahre.
Das bedeutet: Welchen Gewinn erziele ich, wie viel davon brauche ich privat, wie viel will ich reinvestieren, und in was? Die Antworten auf diese Fragen bestimmen welche Struktur sinnvoll ist. Und diese Antworten sind bei jedem anders.
“Eine GmbH ohne Struktur dahinter ist wie ein starker Motor ohne Getriebe. Er läuft, aber er bringt dich nicht wirklich weiter.”
