Das ist keine Kritik an Steuerberater. Es ist eine ehrliche Beschreibung eines Systems, das nicht für dich gebaut wurde.
Ich sage das ohne Häme und ohne Überheblichkeit: Die meisten Steuerberater in Deutschland machen ihren Job ordentlich. Sie buchen korrekt, reichen pünktlich ein, halten Fristen ein. Das ist nicht nichts. Aber es ist auch nicht das was du wirklich brauchst wenn du ernsthaft Vermögen aufbauen willst.
Das Problem liegt nicht beim einzelnen Steuerberater. Es liegt im System. Und wenn du das verstehst, hörst du auf frustriert auf deinen Berater zu sein, und fängst an die richtigen Fragen zu stellen.
Wie das System wirklich funktioniert
Ein durchschnittlicher Steuerberater betreut zwischen 100 und 300 Mandate gleichzeitig. Das ist keine Übertreibung, das ist Realität. Bei dieser Mandantenzahl ist proaktive Gestaltung schlicht nicht möglich. Es gibt keine Zeit um bei jedem Mandanten individuell zu überlegen was steuerlich noch möglich wäre, welche Investitionen geplant sind, welche Instrumente genutzt werden könnten.
Was bleibt ist Reaktion. Der Mandant liefert Belege, der Berater bucht sie ein, erstellt die Erklärung und reicht sie ein. Das Finanzamt prüft, der Bescheid kommt, das Jahr ist abgeschlossen. Und dann beginnt dasselbe Spiel von vorn.
Nirgendwo in diesem Ablauf ist Platz für die Frage: Was wäre gewesen wenn wir drei Monate früher über eine geplante Investition gesprochen hätten? Was hätte ein IAB gebracht? Wäre eine Holdingstruktur sinnvoll? Wann wird die Rechtsform zum Problem?
Das Finanzamt kommt nicht proaktiv auf dich zu
Das ist vielleicht der wichtigste Satz den ich je über das deutsche Steuersystem gehört habe. Das Finanzamt informiert dich nicht darüber was du legal sparen könntest. Es nimmt was ihm zusteht. Punkt.
Und ein Steuerberater der im Reaktionsmodus arbeitet, tut im Grunde dasselbe. Er erfasst was passiert ist. Er gestaltet nicht was passieren könnte.
Das bedeutet: Wenn du nicht aktiv jemanden hast der vorausdenkt, verlierst du Jahr für Jahr Geld das du legal hättest behalten können. Nicht weil du etwas falsch machst. Sondern weil niemand rechtzeitig hinschaut.
Woran du den Unterschied erkennst
Ein reaktiver Steuerberater meldet sich wenn Unterlagen fehlen oder eine Frist naht. Ein proaktiver Steuerarchitekt meldet sich wenn sich in deiner Situation etwas verändert das steuerlich relevant sein könnte. Wenn du eine Investition planst. Wenn dein Gewinn eine bestimmte Grenze überschreitet. Wenn sich Gesetze ändern die dich betreffen.
Ein reaktiver Steuerberater beantwortet deine Fragen. Ein proaktiver Steuerarchitekt stellt dir Fragen die du dir selbst nicht gestellt hättest.
Ein reaktiver Steuerberater liefert eine korrekte Steuererklärung. Ein proaktiver Steuerarchitekt liefert eine Struktur die dafür sorgt dass die nächste Steuererklärung deutlich erfreulicher aussieht.
Was das konkret bedeutet
Ich habe Mandanten übernommen bei denen jahrelang ein Steuerberater korrekt gearbeitet hat. Keine Fehler, keine Beanstandungen, alles sauber. Und trotzdem haben wir im ersten Jahr der Zusammenarbeit fünfstellige Beträge an Steuern gespart die vorher einfach gezahlt wurden. Nicht weil der vorherige Berater schlecht war. Sondern weil er nie die Fragen gestellt hatte die zu diesen Einsparungen geführt hätten.
Das ist kein Einzelfall. Das ist die Regel.
Was du jetzt tun kannst
Stell deinem Steuerberater beim nächsten Gespräch drei Fragen. Erstens: Welche steuerlichen Instrumente nutze ich aktuell nicht die für meine Situation relevant sein könnten? Zweitens: Passt meine aktuelle Rechtsform noch zu meinem Gewinn und meinen Zielen? Drittens: Was würde sich ändern wenn ich eine Holdingstruktur aufbaue?
Wenn er diese Fragen souverän beantwortet und konkrete Antworten liefert, hast du einen guten Berater. Wenn er zögert, ausweicht oder sagt dass deine Situation das nicht hergibt ohne es wirklich analysiert zu haben, dann weißt du was zu tun ist.
Du schuldest deinem Steuerberater Loyalität für gute Arbeit. Aber du schuldest ihm nicht dein Geld für verpasste Möglichkeiten.
“Dein Steuerberater macht seinen Job. Die Frage ist ob sein Job ausreicht um deinen Vermögensaufbau wirklich voranzubringen.”
